Eine Bank-Filiale für das Älterwerden

von Robin Kreide

Die Sparkasse Göttingen geht voran

Olaf Butzke

Die Sparkasse Göttingen hat mit ihrer BestZeit-Filiale die erste Bankfiliale in Deutschland eröffnet, deren Angebot genau auf Menschen ab fünfzig zugeschnitten ist. Wir sprachen mit Olaf Butzke, dem Regionaldirektor der Sparkasse Göttingen, der für das Projekt verantwortlich war und die Entwicklung des Filial-Konzeptes bis zur Umsetzung begleitet hat.

 

Herr Butzke, für die BestZeit-Filiale gab es in Deutschland kein Vorbild. Sie haben sowohl die Themen, zu denen Ihre Kundinnen und Kunden hier beraten werden, wie auch die Innenraumgestaltung komplett neu entwickelt. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

 

In die Konzeption waren rund 80 Kundinnen und Kunden der Sparkasse Göttingen zwischen Anfang fünfzig und Mitte achtzig intensiv eingebunden. In mehreren Workshops haben wir gemeinsam mit ihnen erarbeitet, was sie von einem speziell auf sie zugeschnittenen Filialkonzept erwarten, welche Inhalte ihnen wichtig sind. Der neue Name „BestZeit-Filiale“ wurde ebenfalls in Abstimmung mit ihnen entwickelt. Denn früh wurde in den Workshops klar: Der Bedarf für Themen rund ums Älterwerden ist da. Gleichzeitig sollte eine Filiale, die sich diesen widmet, keine Begriffe wie „Bestager“, „Senior“, „50plus“ oder etwas ähnliches im Namen tragen.

 

Weshalb war Ihnen die Einbindung der Zielgruppe so wichtig?

 

Die Altersspanne der Zielgruppe über fünfzig ist sehr groß, sie ist daher sehr heterogen. Außerdem sind ihre Bedürfnisse ‒ unabhängig vom Alter ‒ ganz individuell. Hier ist die aktive 80-Jährige, die noch um die Welt reist, genauso dabei, wie der Anfang 50-Jährige, der sich plötzlich um einen pflegebedürftigen Elternteil kümmern muss. Durch eine Einbindung in die Konzeption wollten wir erfahren, was die häufigsten Fragen sind, die Menschen ab fünfzig bewegen und bei denen wir als Sparkasse Beratung anbieten können. Die Themen, denen wir uns in der neuen Filiale widmen, sind sozusagen der gemeinsame Nenner, den wir auf diese Weise ermitteln konnten.

 

Der Innenraum der BestZeit-Filiale hat mit dem einer klassischen Bankfiliale nicht viel gemein. Welche Idee steckt dahinter?

 

Im Zentrum der Filiale steht der sogenannte Marktplatz. Dieser ist entweder mit bequemen Sitzmöbeln bestuhlt, kann aber auch für Vortragsveranstaltungen oder Ausstellungen bedarfsgerecht genutzt werden. Rund um den Marktplatz befinden sich sogenannte Themenhäuser. Sie sind Bereichen wie „Generationenmanagement“ oder „innovative Wohnformen“ gewidmet. Zusätzlich gibt es je einen Bereich für die Themen „Sicherheit“ und „Zukunftstrends“ und mehrere baulich abgetrennte Beratungsräume, in denen persönliche Beratung in vertraulicher Atmosphäre stattfinden kann. Gleichzeitig wird Filiale wie gesagt für Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen genutzt. Referentinnen und Referenten werden über Fragen zu Vorsorge, Mobilität, Wohnen im Alter bis zu Reisen, Sport und Gesundheit informieren.

 

Welche Rolle spielt die neue Filiale im Verbund mit den anderen 23 Filialen der Sparkasse Göttingen in der Region?

 

Die Workshops mit den Kundinnen und Kunden haben gezeigt, dass in der Zielgruppe ein großer Bedarf für die Themen der neuen Filiale besteht. Wir haben aber gleichzeitig gesehen, dass wir viele von ihnen bereits über unsere normalen Filialen abdecken. Die BestZeit-Filiale ergänzt also unser bestehendes Beratungsspektrum. Kundinnen und Kunden werden von ihren Beraterinnen und Beratern in der Stammfiliale aktiv auf das BestZeit-Angebot aufmerksam gemacht.

 

Welche Inhalte genau finden Kundinnen und Kunden in den Themenhäusern?

 

Beim „Generationenmanagement“ informieren wir darüber, wie sich der Vermögensübergang auf die nächste Generation frühzeitig planen lässt. Dies betrifft nicht nur Menschen mit großen Vermögen, sondern ist für fast alle unsere Kundinnen und Kunden ab einem gewissen Alter wichtig. Beim Thema „Wohnen“ geht es etwa darum, wie ich mich mit Blick auf das Alter wohnungstechnisch verkleinern kann, welche Alternativen es zum klassischen Wohnen gibt oder welche altersgerechten Umbaumaßnahmen interessant sein könnten.

 

Das Thema „Innovation“ hört sich zunächst einmal sehr offen an.

 

Ja, das stimmt. Hier bilden wir ganz bewusst ein breites Spektrum ab. Wir wollen in unserer BestZeit-Filiale etwa über die Zukunft der Mobilität, aber auch über die Zukunft der Pflege ins Gespräch kommen. Was denken Menschen zum Beispiel über Pflegeroboter oder Organe aus dem 3D-Drucker? Dieser Bereich der Filiale soll als Einstieg zu einem weiteren, persönlichen Gespräch mit unseren Kundinnen und Kunden dienen.

 

Was verbirgt sich hinter dem Bereich „Sicherheit“?

 

In den Workshops wurde deutlich: Der Wunsch nach Sicherheit ist bei Menschen ab fünfzig sehr ausgeprägt. Hierbei geht es um ganz praktische Fragen, etwa darum, wie ich meine Immobile möglichst einbruchssicher gestalten kann. Das Thema Sicherheit geht bei Menschen über fünfzig noch viel weiter. Wir haben gesehen: Unsere Kundinnen und Kunden nehmen ab einem gewissen Alter sehr genau wahr, dass die Zukunft nicht immer planbar ist. Deshalb möchten sie die Sicherheit haben, alles, was es mit Blick auf die kommenden Jahre zu regeln gibt, geregelt zu haben. Hierzu wollen wir zielgerichtet beraten und wertvolle Tipps geben.

 

Die BestZeit-Fililiale der Sparkasse Göttingen befindet sich in den Räumen der aktuellen Sparkassen-Hauptfiliale in der Weender Straße 13/15 im Zentrum Göttingens. Weitere Informationen und einen kurzen Film über die Entstehung der Filiale gibt es hier.

Zurück