Altes Rathaus Göttingen

Warum dieser Blog?

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Lebenserwartung um fast dreißig Jahre erhöht. Dieser Zugewinn an Lebenszeit wird mit all seinen Chancen und Möglichkeiten immer noch wenig diskutiert. Nach wie vor hat das Alter ein eher schlechtes Image, und so dämmern die gewonnenen Jahre in einem gesellschaftlichen Vakuum dahin. Diesem Widerspruch wollen wir eine neue Sicht auf das Alter entgegensetzen und sie gemeinsam mit allen Generationen diskutieren.

Zeit für eine neue Jugendbewegung?

von Dagmar Pairan

Geballte Fäuste

Ist es nicht mehr als erstaunlich, dass sich vor allem die Älteren in Deutschland öffentlich über das Versagen von Politik beschweren? Die immer noch recht lebendige Anti-Atomkraft-Bewegung ist heute zumeist ergraut und auch bei Stuttgart21, oder bei Pegida sind es eher ältere Deutsche, die Missstände – im letzteren Fall eben auch die der vermeintlichen Art – öffentlich auf der Straße anprangern.

Das Verblüffende daran ist, dass es doch eben gerade diese Älteren sind, die momentan von der Politik der Bundesregierung am meisten profitieren. Und Sie sind es auch, die sich in gesellschaftspolitischen Fragen überproportional viel Gehör verschaffen können und als Folge häufig mit Wahlgeschenken bedacht werden. Schließlich ist der Anteil der Rentner an der deutschen Bevölkerung mittlerweile so stark gestiegen, dass jede politische Partei sie bei ihrer Positionierung auf dem Zettel hat. Bei der letzten Bundestagswahl war immerhin jeder zweite Wähler über 60. Das macht eine Entscheidung der Parteien etwa für Rentenkürzungen in der Zukunft eigentlich fast unmöglich.
Hinzu kommt: Die Babyboomer, also diejenigen die zwischen 1955 und 1969 geboren wurden, sind aktuell die Entscheider. Sie sitzen in Politik und Wirtschaft an den Hebeln der Macht. Ihre Generation entscheidet somit auch nachhaltig über die Zukunft der Jüngeren. Haben sie bei Ihren Entscheidungen im Blick, dass es ihrer Nachkommenschaft einmal ebenso gut, oder vielleicht sogar besser gehen soll, oder geht es ihnen doch eher um ihren Bestandsschutz? Bei Themen wie Bildung, Zukunftstechnologien und Klimapolitik ist ein zukunftsgerichtetes Engagement der politisch Handelnden im Moment jedenfalls nicht wirklich zu erkennen.

Doch wie ist es nun angesichts des gerade genannten Missstandes um eine die Rebellion der Jugend bestellt? Schließlich ist sie doch mit Blick auf ihre Zukunft ganz maßgeblich betroffen. Fest steht: Die Protestkultur hat sich wie unsere Gesellschaft insgesamt verändert. Die Jugend äußert ihren Protest heute anders als früher. Auch weil die Jüngeren gelernt haben, dass man einer zunehmend komplexer werdenden Welt nicht mit einfachen Antworten begegnen kann. Statt wie noch die Generation ihrer Eltern großtuerisch das gesamte System umwälzen zu wollen, setzen sie lieber auf eine Veränderung durch kleine Schritte. Die Jugend engagiert sich gegenwärtig oft auch lieber pro statt contra.

Die neuen Medien haben die Art und Weise ihres Engagements entscheidend mit beeinflusst. Ein Internet-Blog ist heute schneller eingerichtet als eine Demo organisiert und angemeldet ist und erreicht am Ende oft sogar noch mehr Menschen. Wenn man genau hinschaut, kann man im Internet eine ganze Reihe von Jungen entdecken, die sich dort in Gruppen organisieren, sich austauschen und über soziale Netzwerke für ihre Ziele engagieren.
 
Den Jüngeren bleibt bei einigen ihrer zentralen Themen allerdings nicht viel Zeit, um auf ihre Gestaltungswünsche die Zukunft betreffend aufmerksam zu machen. Insbesondere beim Thema Umwelt- und Klimapolitik rennt die Zeit davon. Die Fehler, die hier gerade begangen werden, sind dann irreversibel. Das Problem ist jedoch: Protest im Netz ist zweifelsohne gut und sinnvoll. Dennoch ist es für die Jungen unabdingbar, auch mit den Älteren zu kommunizieren. Hierzu müssen sie sich gelegentlich auch deren klassischen Kommunikations- und Protestmitteln bedienen, um von ihnen nicht übersehen zu werden.

Ich bin sicher, dass der überwiegende Teil der Älteren sehr wohl an einer guten Zukunft der Jungen interessiert ist. Manchmal verlieren wir nur alle im Alltag und beim Protestieren für die eigene Sache, den Blick auf die Prioritäten für unsere Gesellschaft.

 

Dagmar Pairan

Dagmar Pairan gibt gemeinsam mit Robin Kreide das Magazin in göttingen heraus, ein regionales Magazin für Menschen im besten Alter. Mit ihrem Unternehmen Pairan + Kreide berät sie außerdem Unternehmen und Institutionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Content Marketing.

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