Wir brauchen mehr Bilder!

von Robin Kreide

Warum Ideen auch visuell kommuniziert werden müssen

Wenn wir darüber nachdenken, wie wir unser Leben zukünftig gestalten wollen, brauchen wir Bilder.
Mit Bildern meine ich zum einen eine ungefähre Vorstellung davon, was auf uns zukommt. Wenn wir überlegen, ins Kino zu gehen, möchten wir ja auch (wenigstens ungefähr) wissen, was für ein Film läuft. Erst wenn wir uns davon ein Bild gemacht haben, werden wir eine Kinokarte reservieren.
Zum anderen meine ich mit Bildern wirkliche Bilder, also Fotos in Printprodukten oder im Internet. Denn in vielen Situationen gilt: Erst wenn wir ein Foto von etwas sehen, wird es für uns erstrebenswert. Warum ist die Idee von einem Urlaub in diesem kleinen Strandhotel auf Sizilien so erstrebenwert? Nicht nur weil wir wissen, dass es nur 24 liebevoll renovierte Zimmer hat, die Küche exzellent ist, die Wassertemperatur im Sommer angenehme 28 Grad beträgt und der Strand feinsandig ist. Sondern vor allem weil wir aufgrund eines Fotos wissen wie es dort aussieht und deshalb erahnen können, wie es sich anfühlen wird, dort zu sein. Klar, man kann sich auch am Telefon oder per E-Mail ineinander verlieben, aber wenigstens ungefähr zu wissen, wie die oder der Andere aussieht macht die Andere oder den Anderen doch gleich viel begehrenswerter. Oder eben auch nicht.

 
Soviel also zum Lob der Bilder. Doch was bedeutet das auf das Thema „Göttingen wird älter“ bezogen?
Seit das Thema demografischer Wandel einer der gesellschaftlichen Megatrends geworden ist, leidet es meiner Ansicht nach an einem Mangel an Bildern. Ganz viele in Deutschland reden engagiert von guten Zukunftsideen für ihre Region, aber sie bebildern sie nicht. Zugegeben: Passende Fotos zum Thema liegen nicht auf der Straße. Es muss ein Konzept entwickelt werden und eine Fotografin oder ein Fotograf und Fotomodels im passenden Alter müssen her. Weil das kompliziert ist, wird gerne auf Stockfotos von Agenturen zurückgegriffen. Und die kommen bei Menschen über 60 gewöhnlich in drei Varianten daher. Entweder sie zeigen hilfebedürftige Hochaltrige, lustige Ältere oder in Schönheit ergraute Menschen. Dabei ist die Wirklichkeit sehr viel komplexer. Und vielleicht macht es gerade das so kompliziert, sich Bilder auszudenken, die die Zukunft der Langlebenden abbilden.
Wenn ich heute eine Fotoserie zum Thema junge Erwachsene konzipiere, fallen mir sofort jede Menge Dinge ein, die für sehr viele von ihnen sehr ähnlich sind: Der erste Job, die erste ernsthafte Partnerschaft, die erste gemeinsame Wohnung – irgendwie fangen wir ja alle einmal an. Wer diese Bilder später sieht, weiß sofort, dass die Fotografierten stellvertretend für junge Erwachsene stehen. Und bei den Älteren? Da ist es komplizierter. Die Gemeinsamkeiten sind nicht so klar. Aber es gibt sie. Wir müssen nur nach ihnen suchen.


Ein weiterer Hinderungsgrund für typische Fotos, so scheint mir, ist die Befürchtung, dass Fotos vom längeren Leben Angst vor den Defiziten machen könnten, die mit dem Alter verbunden sind. Klar ist, dass Fotos von Älteren auch das nicht mehr ganz so Perfekte zeigen. Das bringt das Alter nun einmal mit sich. Ein Problem ist es aber nicht. Und zwar besonders dann nicht, wenn wir die Geschichte hinter dem Bild erfahren. Was ist die Story hinter der Person? Dann treten Defizite ganz schnell in den Hintergrund. Es ist also neben den richtigen Bildern auch das richtige Storytelling gefragt. Doch an dieser Stelle sollte es ja erst einmal nur um Bilder gehen. Daher: Bebildern wir unsere gesellschaftliche Zukunft und begeistern wir mehr Menschen für sie.

Robin Kreide

Robin Kreide gibt gemeinsam mit Dagmar Pairan das Magazin in göttingen heraus, ein regionales Magazin für Menschen im besten Alter. Mit seinem Unternehmen Pairan + Kreide berät er außerdem Unternehmen und Institutionen rund um die Themen Öffentlichkeitsarbeit und Content Marketing.

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