Wie Telemedizin gelingen kann

von Egbert Schulz

Telemedizin

Telemedizin, also die Überbrückung der räumlichen Distanz zwischen Arzt und Patient durch technische Hilfsmittel, wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Zum einen wird die Anzahl der hochaltrigen und damit wenig mobilen Menschen an der Gesamtbevölkerung immer größer. Zum anderen wird in vielen Regionen Deutschlands die Bevölkerungs- und Ärztedichte in den nächsten Jahren abnehmen, was zu immer längeren Wegen zu medizinischen Versorgungseinrichtungen führen wird.

Mit flächendeckend verfügbaren Internet- und Mobilfunkverbindungen sind bereits heute beste Voraussetzungen für neuartige, telemedizinische Therapieformen vorhanden. Leider bleiben bisher umgesetzte Projekte jedoch oft weit hinter ihren Möglichkeiten zurück oder sind als „Leuchtturmprojekte“ ohne langfristige Bedeutung für die Patientenversorgung oder die wissenschaftliche Forschung.

Ein Grund für den ausbleibenden Erfolg vieler telemedizinischer Projekte liegt meines Erachtens darin, dass der Grundsatz, dass die Qualität einer telemedizinischen Therapie von einer möglichst unmittelbaren medizinischen Handlungskonsequenz abhängt, nicht berücksichtigt wird. Die Forschung zeigt: Damit Telemedizin erfolgreich ist, muss sichergestellt sein, dass wenn Daten vom Patienten an den Arzt übermittelt werden und diese einen vorher festgelegten Wert über- oder unterschreiten, der behandelnde Arzt möglichst rasch aktiv wird oder mit dem Patienten Kontakt aufnimmt.

Ein weiteres Hemmnis für den Erfolg der Telemedizin stellt die Frage dar, wo die im Rahmen der telemedizinischen Therapie übermittelten Daten landen: Heute werden diese fast immer auf den Servern der Telemedizin-Gerätehersteller zwischengespeichert und von dort aus an die Ärzte weiterversandt. Dies widerspricht dem in Deutschland sonst üblichen Grundsatz, dass Patientendaten zunächst ausschließlich im Computersystem der behandelnden Praxis gespeichert werden und wird zu Recht von vielen Medizinern bemängelt.

Bei dem in den letzten Jahren in Südniedersachsen unter meiner Beteiligung geplanten und umgesetzten Telemedizinprojekt zur therapeutischen Blutdrucküberwachung idTM, ist es uns gelungen, beide Stolpersteine zu vermeiden.

Grundlage für den Einsatz von idTM bildet immer eine in vielen Fällen bereits bestehende individuelle Arzt-Patientenbindung, die nicht nur Vertrauen schafft, sondern auch eine unmittelbare Kommunikation zwischen medizinischem Experten und Laien oder eine Intervention durch den Arzt ermöglicht. Aus Gründen des Datenschutzes werden die Daten beim idTM jeweils direkt an die teilnehmende Praxis übermittelt und nur dort gespeichert.

Gerade für das Thema Blutdruck ist eine telemedizinisch unterstützte Therapie äußerst sinnvoll. Denn die automatische Erfassung von Daten und deren Übermittlung an den Arzt ohne Zutun des Patienten stellt sicher, dass Ärzte, Pflegepersonal oder Arzthelfer mit zuverlässigen Daten für die Therapie und die Therapiekontrolle versorgt werden. Durch individuell auf jeden Patienten abgestimmte Filter in der eigens für idTM entwickelten Software, wird gleichzeitig verhindert, dass die Behandelnden im Alltag mit einer unnötigen Datenflut konfrontiert werden.

Langzeit-Untersuchungen der Patienten belegen eine langanhaltende Wirkung von idTM. Eine Kosten-Nutzen-Analyse zeigt ebenfalls: idTM ist eine sinnvolle Methode zur Optimierung der Blutdruckkontrolle.

Auch die Akzeptanz von idTM bei Patienten und Ärzten ist hoch und beweist: Telemedizin ist als Antwort auf demografische Herausforderung hilfreich und sinnvoll – vorausgesetzt, sie orientiert sich am Bedarf und den Interessen der Beteiligten.

Egbert Schulz

Egbert Schulz

Der Nephrologe Dr. Egbert Schulz ist Vorstandvorsitzender des Blutruckinstituts Göttingen. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich intensiv mit den Möglichkeiten der Telemedizin im Rahmen einer Bluthochdruck-Therapie.

Zurück

Einen Kommentar schreiben