Was heißt denn eigentlich Senior?

von Dagmar Pairan

Eine Begriffserklärung

 

Schauen wir doch zunächst einmal, was der Duden zum Wort Senior sagt:

Rechtschreibung, Worttrennung: Se|ni|or

 

Bedeutungsübersicht:

1. (oft scherzhaft) Vater (im Verhältnis zum Sohn)

2. (Kaufmannssprache) älterer Teilhaber, Geschäftspartner

3. (Sport) Sportler im Alter von mehr als 18 oder (je nach Sportart) 20, 21 oder 23 Jahren

4. älterer Mensch, Mensch im Rentenalter, Ruheständler

5. Ältester in einem Kreis, Kollegium o. Ä.

6. (Verbindungswesen) erster Chargierter eines studentischen Korps

 

Und wie ist es im Englischen?

Der „Senior“ im anglo-amerikanischen Raum ist der Erfahrene, der Dienstälteste, Dorfälteste oder auch der Alterspräsident. Mit dem Adjektiv „senior“ wird zudem der ranghöchste Mitarbeiter innerhalb einer Organisation bezeichnet. Wenn in einer Nachrichtenmeldung die Quelle für eine Information aus dem Weißen Haus also von einem „senior administration official“ kommt, wissen wir, dass derjenige, der mit der Presse gesprochen hat und nicht namentlich genannt werden möchte, ein richtig Hohes Tier im amerikanischen Regierungsapparat ist.


Doch zurück nach Deutschland: Hierzulande wird „Senior“ meist benutzt, um Menschen ab einem bestimmten Alter zu bezeichnen. Doch in welchem Alter trifft die Bezeichnung „Senior“ eigentlich zu und wer sieht sich selbst als solcher? Nach meiner Erfahrung möchten Senioren überhaupt erst als solche bezeichnet werden, wenn sie mindestens das 70., viele sogar erst wenn sie das 75. Lebensjahr erreicht haben.
Generell tun sich die Deutschen eher schwer mit diesem Begriff. Am liebsten hören die meisten noch eher die Bezeichnung „Generation 50plus“. Besonders unbeliebt sind Begriffe wie „Pensionäre“ oder „Ruheständler“. Die Werbebranche bedient sich gern einer Einordnung als „Best-Ager“. Persönlich mag ich Anglizismen nicht so sehr und halte es daher lieber mit der Beschreibung „im besten Alter“.


Schon als kleines Mädchen hatte ich eine Vorstellung von diesem „besten Alter“. Ich dachte, Reife, Gelassenheit und Lebenserfahrung brächten in diesem Lebensabschnitt naturgemäß „Magier der Weisheit“ hervor. Tatsächlich gibt es diese „Magier“ auch: Altkanzler Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher, Bundespräsident Gauck, die Queen, Rita Süssmuth und der Dalai Lama fallen mir hier ein. Sie alle sind Persönlichkeiten, die wir aufgrund ihrer Lebensgeschichte und vor allem wegen ihres Engagements mit etwas verbinden. Man muss sie nicht unbedingt mögen, aber sie sind unumstritten authentisch und ihre Meinung auch zu höchst aktuellen Themen ist noch immer gefragt.

Was mich betrifft, so kann ich mich dem Charisma des kettenrauchenden Altkanzlers oder auch dem immer noch jungenhaften Charme der gerne als Vermittler bei schwierigen Konflikten beauftragten CDU-Ikone, Heiner Geißler nur schwer entziehen. Ich höre Senioren, die etwas zu sagen haben, einfach gerne zu. Sie genießen großen Respekt und dies, wie ich finde, zu Recht.

Ist es nicht schade, dass diese Persönlichkeiten nicht viel stärker den Begriff „Senioren“ in unserer aller Wahrnehmung prägen? Warum hat es keinen Wert, wenn aus einem Junior ein Senior wird? Manchmal kommt es mir so vor, als ob unsere zunehmend alternde Gesellschaft durch ihren Jugendwahn das Beste verpasst – wirklich sehr schade.

Dagmar Pairan

Dagmar Pairan gibt gemeinsam mit Robin Kreide das Magazin in göttingen heraus, ein regionales Magazin für Menschen im besten Alter. Mit ihrem Unternehmen Pairan + Kreide berät sie außerdem Unternehmen und Institutionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Content Marketing.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Klaus Thornagel |

Ein guter Artikel, Frau Pairan.
Ich kann dem zustimmen.
Es findet ein Umdenken statt.

Ergänzend ein Beitrag:
"SENIOR, UND NICHT ´BEST AGER´ ODER ´GOLDEN SONSTWAS´!"