Diskret altern gibt es nicht

von Dagmar Pairan

Warum Frauen und Männer unterschiedlich altern

Vorweg sei gleich mal allen gesagt, die denken, dass das Alter für sie gar kein Thema ist: Diskret alt werden ist im Zeitalter von google keine Option. Wer Ihr Alter in Erfahrung bringen möchte, findet es mit ein paar Mausklicks heraus. Und im Grunde ist das ja auch gar kein Problem für Sie, oder?

 

Mich hat das Thema Älterwerden seit meiner Pubertät wahrscheinlich nicht mehr so beschäftigt wie in den letzten Wochen, seit dieser Blog langsam Gestalt annahm. Das ist eigentlich verwunderlich, denn als Herausgeberin des Magazins „in göttingen“ für Leserinnen und Leser im - wie wir es nennen – „besten Alter“ seit immerhin fast einem Jahrzehnt, sind Veränderungen, die das Altern mit sich bringt, alles eigentlich andere als neu für mich. Aber vielleicht ist das auch genau der Grund. Denn als Herausgeberin bin ich „nur“ Moderatorin. Dieser Blog aber ist ein Format, das eine ganz persönliche Position zum Thema einfordert. Es heißt also, Stellung zu beziehen.
Und irgendwie beschleicht mich im Laufe der Diskussionen in der Redaktion von „in göttingen“ zum Thema „Alter“ das Gefühl, dass sich die Zukunft für mich ein wenig anders als für die anderen darstellt, bin ich doch zufällig die einzige Frau am Tisch.

 


Eigentlich beschäftigt mich das Thema Gleichberechtigung nicht über alle Maßen. Zumindest nicht, wenn es um mich persönlich geht. Betrachte ich mich doch in allem was ich tue, als emanzipiert. Wenn es jedoch ums Altern geht, beobachte ich einen deutlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Und der ruft mich tatsächlich in Sachen Gleichberechtigung auf den Plan.
Älter werden und souverän damit umgehen, ist das nicht die neue Devise für selbstbewusste und eigenständige Frauen? Senta Berger und Iris Berben zum Beispiel tun genau das. Sie werden älter. Und sie sagen öffentlich: „Kein Problem!“ Aber das Alter geht auch mehr als gnädig mit ihren Gesichtern um, und außerdem sind beide in ihrem Beruf heute gefragter denn je. Doch was ist mit denen, die weniger Glück haben?
In meinem Umfeld gibt es ehrlich gesagt nur wenige Frauen, die wirklich locker mit dem Altern umgehen. Tatsächlich kenne ich sogar nicht wenige Frauen, die ihr Alter gern verschweigen. Männer haben mit dem Altern meist weniger Probleme. Neulich las ich beim Friseur meines Vertrauens in einer Illustrierten gar folgenden Satz in einem Interview mit George Clooney: „Männer haben einen erheblichen Vorteil: Wir kriegen Falten, werden fett und glatzköpfig oder weißhaarig und keinen kümmert es.“ Nun tut Herr Clooney ja eher nichts dergleichen außer zu ergrauen, was ihm verdammt gut steht. Aber an dem, was er sagt, ist doch etwas Wahres dran.

 


Der Jugendwahn, dem unsere Gesellschaft verfallen ist, ist nicht zu übersehen: Die Werbung einer stets wachsenden Anti-Aging-Industrie ist allgegenwärtig. Im Privatfernsehen zeigen  Dokumentationen zur besten Sendezeit, wie sich zumeist Frauen mehr als fragwürdigen Operationen und Behandlungen unterziehen, um sich dem Altersprozess entgegen zu stemmen - dass der Anteil der Männer hier deutlich zunimmt, tröstet nicht wirklich.
Mir kommen diese Bilder – zumindest im Moment noch - vor, wie aus einer anderen Welt. Aber geht mich das persönlich wirklich nichts an? Noch habe ich keine Panikattacken und schlafe angstfrei. Doch auch ich ahne: Der einzige Weg, dem Altern zu entgehen, ist wohl, jung zu sterben. Da das nun keine wirkliche Lösung ist, gilt es das Beste aus unserer immer länger werdenden Lebenszeit zu machen. Schön wäre etwas Sinnvolles und wenn möglich etwas mit Humor. Vielleicht hilft gar dieser Blog dabei, Wege aufzuzeigen …

Dagmar Pairan

Dagmar Pairan gibt gemeinsam mit Robin Kreide das Magazin in göttingen heraus, ein regionales Magazin für Menschen im besten Alter. Mit ihrem Unternehmen Pairan + Kreide berät sie außerdem Unternehmen und Institutionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Content Marketing.

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