„Die 50-Jährigen haben die Herausforderungen im Blick“

von Dagmar Pairan

Jörg Schnitzerling im Interview

Jörg Schnitzerling

Jörg Schnitzerling ist Geschäftsführer des Göttinger ASC, des größten Sportvereins Südniedersachsens. Er arbeitet in Göttingen, wohnt aber im ländlich geprägten Schwalm-Eder-Kreis auf einem Bauernhof. Über dessen seniorengerechten Umbau hat er bereits nachgedacht.

 

Herr Schnitzerling, ist Ihnen bewusst, dass bedingt durch Ihre längere Lebenserwartung eine Lebensphase auf Sie zukommt, die Sie zusätzlich gestalten können?


Das ist mir sehr bewusst, die Gestaltungsintensität hängt aber vom Alter des Ausstiegs aus dem Berufsleben ab.


Glauben Sie, dass die Lebensphase nach Ende des Berufslebens mit der Bezeichnung „Ruhestand“ heute noch den richtigen Namen trägt?


Nach einer selbstbestimmten Übergangsphase am Ende des Berufslebens und einem Einstieg in andere, vielleicht auch neue Aktivitäten wird es einen Ruhestand geben. Der beginnt aber sicherlich nicht nach dem Berufsleben!


Was denken Sie, welche Auswirkungen eine längere Lebenszeit der Bürgerinnen und Bürger allgemein auf die Stadt Göttingen und die Region haben wird?


Durch die immer noch sehr große Zahl an Studierenden wird der Effekt nicht so groß wie in anderen eher alternden Regionen sein. Aber auch in Göttingen wird man sich in allen Bereichen dieser Herausforderung mit Angeboten und Initiativen stellen müssen. Der Breiten- und Gesundheitssport hat schon eine veränderte Rolle eingenommen und wird sich weiter auf diese Zielgruppe konzentrieren. Auch der Gesundheitsbereich, unsere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind gefordert, sich dieser Herausforderung zu stellen.


Wissen Sie bereits, wie Sie Ihr Leben im Ruhestand verbringen möchten?


Ja, am liebsten auf meinem Hof in Besse, gespickt mit ein bisschen politischem Engagement und regelmäßigen Ausflügen nach Göttingen.


Können Sie sich gemeinschaftliches Wohnen in dieser Lebensphase vorstellen? Wenn ja, wie würden Sie sich so eine Wohnsituation im Idealfall wünschen?


Eine Senioren-WG übt natürlich einen großen Reiz aus, auch auf mich. So habe ich bereits über einen seniorengerechten Umbau des alten Hofgebäudes nachgedacht. Besser finde ich aber dann ein Mehrgenerationengebäude, das die Lebensidee kleiner Gemeinden oder Familien wieder aufnimmt – gegenseitige Hilfe zwischen den Generationen.


Wie stellt sich Göttingen und die Region Ihrer Meinung nach z. Zt. auf die längere Lebensdauer seiner Bewohnerinnen und Bewohner ein? Spielt die Demografie Ihrer Auffassung nach bei den Zukunftsplanungen bereits eine ausreichende Rolle?


Die Gruppe der Menschen in unserer Gesellschaft, die jetzt älter als 5o Jahre sind nehmen Einfluss auf die Entwicklung unserer Stadt. Diese Altersgruppe hat die Herausforderungen im Blick und wird sie auch entsprechend ihrer persönlichen Situation bewerten und gegenüber der Politik Lösungen dafür einfordern. Die Politik ist aber stark geprägt von kurzfristigen Entwicklungen, das macht das Flüchtlingsprojekt noch einmal besonders deutlich, so dass eine angemessene Zukunftsplanung wahrscheinlich immer zu wenig Raum einnehmen wird.


Wie sollten aus Ihrer Sicht notwendige Veränderungsprozesse gestaltet werden, um alle Generationen mitzunehmen?


Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nicht allein von der Politik bewältigt werden kann. Die Politik muss aber die Interessen der unterschiedlichen Gruppen bündeln und daraus Ergebnisstrategien ableiten, die dann auf unterschiedlichen demokratischen Wegen zur Wahl gestellt werden müssen.


Haben Sie das Gefühl, in dieser auf Sie zukommenden Lebensphase des beruflichen Ruhestandes völlig frei in Ihrer persönlichen Planung zu sein?


Wenn ich die familiären Aufgaben eines Vaters und hoffentlich auch Großvaters, die wichtigen Herausforderungen des nahen persönlichen Umfeldes aus Freunden und ehrenamtlichen Engagements und die gesundheitlichen Einschränkungen mit guten Ärzten und Therapeuten in den Griff bekommen habe, bleibt sicherlich noch Zeit für ganz persönliche Freuden.

Dagmar Pairan

Dagmar Pairan gibt gemeinsam mit Robin Kreide das Magazin in göttingen heraus, ein regionales Magazin für Menschen im besten Alter. Mit ihrem Unternehmen Pairan + Kreide berät sie außerdem Unternehmen und Institutionen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Content Marketing.

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